Mobilität

Heimplatz: Warum ein Verkehrsknoten am Schauspielhaus und am Kunsthaus ohne Verknotung unbrauchbar ist

Baustelle Tramgeleise Zürich

Mein Votum im Gemeinderat der Stadt Zürich vom 13. November 2019 zu den Plänen des Stadtrates, den Heimplatz weitgehend umzugestalten und dabei sieben Abbiegemöglichkeiten zu streichen.

Was ist ein Verkehrsknoten am Heimplatz, der nicht mehr Routen und Wege miteinander verknotet? Was ist ein Verkehrsknoten, der die Verkehrsteilnehmenden zwingt, rund um das Schauspielhaus und das Kunsthaus auf Nebenrouten auszuweichen? Und was ist ein Verkehrsknoten, der nicht die Verbindung der Quartiere in die Stadt ermöglicht, sondern die zentrale Funktion ein «Pocket-Park» ist?

Ein solcher Verkehrsknoten ist nur noch eines – eine x-beliebige Durchgangsstrasse. Und dann muss man sich auch nicht wundern, wenn von den 40 000 Fahrzeugen, welche täglich den Heimplatz passieren, etwa 10 000 wegen den fehlenden Abbiegemöglichkeiten einen anderen Weg suchen. Und zwar durch das Quartier oder über eine bereits jetzt verstopfte Umfahrungsroute.

Und war nicht etwa, weil dieser Weg schneller wäre – sondern, weil die gewünschte Abbiegemöglichkeit über den Heimplatz einfach nicht mehr besteht. Und damit die Quartiere Hottingen, Witikon und das Hochschulquartier regelrecht vom Rest der Stadt und von wichtigen Zubringerstrasse abgeschnitten werden.

Und trotzdem darf man verwundert der Stadtrat zitieren, der in seiner Weisung schreibt:

«Der Heimplatz übernimmt im städtischen Verkehrssystem als zentraler Verkehrsknoten des öffentlichen Verkehrs, des Veloverkehrs und des motorisierten Individualverkehrs eine wichtige Rolle.»

Wie soll denn das gehen? Eine wichtige Rolle im Verkehrssystem spielen, aber gleichzeitig keine funktionierende Verkehrsdrehscheibe mehr sein?

Und so ist der Stadtrat davon überzeugt, dass die Leistungsfähigkeit des Platzes die gleiche bleibe, au wenn die sieben Abbiegemöglichkeiten nach Hottingen, Witikon und ins Hochschulquartier brüsk gestrichen werden.

Dabei sind die Wege, die über den Heimplatz führen, alles andere als nur lokal relevant. Die Rämistrasse ist die einzige Hauptverkehrsachse östlich der Limmat, die Nord und Süd verbindet. Auch die Hottingerstrasse, der Zeltweg und die Heimstrasse sind im regionalen Richtplan als Verbindungsstrassen gekennzeichnet. Mit dem vorliegenden Plan setzt sich der Stadtrat aber einfach über seine Aufgabe hinweg, genau diese Verkehrsbeziehungen in ihrer Leistungsfähigkeit nicht zu beeinträchtigen.

Fahrzeuge, die sich irgendwo durchzwängen, sind aber nicht einfach verschwunden. Sie fahren länger, stossen mehr CO2 aus, machen mehr Lärm und sind schlecht für die Verkehrssicherheit an jenen Orten, die eigentlich im Quartier hätten beruhigt werden sollen.

Es ist darum keine Überraschung, dass die bürgerlichen Parteien FDP, SVP und CVP sowie die Gewerbeverbände der betroffenen Quartiere unisono den Plan ablehnen.

Ein Verkehrsknoten, der kein Knoten mehr ist – ist unbrauchbar. Eine Verbesserung für Velofahrende wäre gerade an diesem Ort auch auf anderen Routen möglich. Die grosse Gegenwehr aus dem Kreis 7+8 sollte den Stadtrat daran erinnern, dass es Zeit wäre, diesen Plan in der Schublade verschwinden zu lassen und die Bedürfnisse der Bevölkerung ernst zu nehmen.

Wegfallende Abbiegemöglichkeiten Heimplatz

Darstellung der wegfallenden Abbiegemöglichkeiten am Heimplatz gemäss den Plänen des Stadtrates (Quelle: Medienmitteilung FDP/CVP/SVP, Gewerbeverbände).

Die vollständigen Dokumente sowie das Audioprotokoll der Debatte vom 13. November 2019 können hier abgerufen werden.

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